Werners Salzamt

Oktober 13, 2008

Tod eines Feschisten

Einsortiert unter: Kommentare — werners @ 9:44 vormittags

Anscheinend haben wir so wenig Persönlichkeiten, dass nach dem Tod von Jörg Haider jetzt so viel aufrichtige (?) Betroffenheit herrscht. O.k., er war ein sehr fähiger Politiker, doch auch, wenn ich ihn eher für ein Chamäleon als einen Neonazi gehalten habe, hätte dieses Chamäleon nie gezögert, wieder so nationalistisch zu werden wie früher, wenn es sich davon Erfolg versprochen hätte. Fremdenfeindlich war er ja immer.

Und dass die Vereinigung von BZÖ und FPÖ jetzt noch wahrscheinlicher geworden ist, macht mir Angst. Schließlich hat Österreich vor Kurzem wieder einmal protest-gewählt, und das sehr rechte Lager stellt nun 55 der 183 Abgeordneten. Ist dies wirklich das, was die Leute woll(t)en?

Wollten Sie auch – sollten die Regierungsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP scheitern – wieder solche Wappler-FPÖ-Minister wie unter den Schüssel-Regierungen? Wahrscheinlich ist es ihnen egal und bei der nächsten Wahl werden – sollte es wieder zu einer „großen” Koalition kommen – noch mehr für FPÖ/BZÖ stimmen. Auch wenn der windige Anwalt der kleinen Leute nicht mehr unter uns weilt.

Juli 13, 2007

Kultur im Abseits

Einsortiert unter: Kommentare — werners @ 7:18 vormittags

Wie sagte doch ein österreichischer Kulturlandesrat jüngst so bildlich: „Die Kultur wird bei der Fußballeuropameisterschaft nicht im Abseits stehen, auch wenn sich bei der WM in Deutschland gezeigt hat, dass begleitende Kulturprogramme vom Publikum nicht sehr angenommen werden”. – Im Budget spiegelt sich diese Meinung jedenfalls wider: Während in Deutschland für das Fußball-Kulturprogramm 30 Millionen Euro zur Verfügung standen, sollen es für die EURO 2008 hierzulande vier Millionen sein. Diese Zahlen kann man aber auch freundlich interpretieren: Schließlich gibt Österreich für Kultur rund um sein Fußball-Großereignis mehr aus als Deutschland – pro Einwohner.

Und damit diese auch wissen, dass eine Fußball-Europameisterschaft stattfindet, ist die von der Bundesregierung unterstützte Initiative Österreich am Ball schwer damit beschäftigt, „das Bewusstsein über die Bedeutung der EURO 2008 in Österreich zu fördern“, und Kunst und Kultur ist eben nur ein Teil der vorgesehenen Maßnahmen.

So soll etwa auf www.fussballverbindet.at „eine Community entwickelt werden, an der alle Interessierten über das Internet teilhaben können“. Es werden „Botschafter der Leidenschaft“ ausgewählt, die mit einem EURO-Startpaket die Bevölkerung begeistern sollen. Zwischen Mai und September tourt die Roadshow „Euromania“ durch Österreich. Im Sommer wird unter dem Titel „KICK & SUN“ eine Soccer-Bädertour abgehalten. Mit Blick auf die Bedeutung der EM für Wirtschaft und Tourismus werden Kampagnen eingeleitet, wie Österreich “EURO-fit” gemacht werden kann.

Und wie wird die „Euro“ KULTUR-fit gemacht? – Insgesamt sind rund 200 einschlägige Projekte bei „Österreich am Ball“ eingereicht worden, die besten sollen noch diesen Sommer der Öffentlichkeit präsentiert werden. Schon jetzt stellt sich allerdings die Frage, was von den vier Millionen übrig bleiben wird, wenn man davon die Kosten für die bereits fixierte Ausstellung im Wiener Künstlerhaus abzieht, welche sich auf die historischen Spuren des Fußballs begibt.

Aber wem das Kulturprogramm während der EURO 2008 für eine Kulturnation zu schwachbrüstig erscheinen sollte, der kann sich die Spiele – jüngsten Meldungen zufolge – ja auch im Wiener Burgtheater anschauen.

© Wohin in Wien, 08/2007

Juli 2, 2007

Der Kultur-Kyniker

Einsortiert unter: Kommentare — werners @ 7:19 vormittags

Mit News-Kulturchef Heinz Sichrovsky erlaube ich mir gerne folgenden Spaß: Er wohnt in derselben Straße wie ich und jedes Mal, wenn ich ihm begegne, grüße ich ihn wie jemand, den er kennen müsste. Und der Kyniker (d.i. ein Anhänger der Selbstgenügsamkeit, was ich selbst erst jetzt auf der fehlgeleiteten Suche nach einem schmückenden Beiwort herausgefunden habe; Anm.) unter den Feuilletonisten tut immer wieder so, als würde er diesen auf schlecht gekleidetes Understatement machenden Top-Super-Wichtigen wiedererkennen.

Aber Scherz beiseite: Eigentlich wollte ich es dem Kyniker mal so richtig reinsagen, nachdem ich entdeckt hatte, dass im aktuellen morgen (einem Kulturmagazin, das sich auch Versorgungsposten-mäßig ganz und gar dem Bundesland Niederösterreich widmet) ein Kommentar von ihm abgedruckt worden ist. Dass Arroganz heutzutage leider nicht mehr vor dem Fall kommt, hätte ich geschrieben. Dass die kulturelle Welt auch aus Zwischentönen besteht und nicht nur aus Mega und Kacke. Dass man sich als Kulturjournalist entweder ernst nimmt oder bei/für “News” arbeitet, hätte ich geschrieben.

Aber erstens weiß ich ja gar nicht, wohin sich die “We are most new than new”-Postille entwickelt hat, seit die Gebrüder Fellner das Schiff verlassen haben, das vor lauter Eigenlob so entsetzlich gestunken hatte, dass es dieses Odeur schwer losbekommen wird (– die Gebrüder machen jetzt selbstredend die beste Tageszeitung). Weil ich unendlich froh bin, es nicht mehr durchblättern zu müssen, seitdem ich nicht mehr Redakteur bin und der Chefredakteur (der das Fellner-Produkt bekennenderweise ablehnte und trotzdem stets druckfrisch kaufen ließ) mich anbrüllt, warum wir denn diese heiße “News”-Story schon wieder nicht ebenfalls im Blatt hätten.

Und zweitens komme ich vom Thema ab. Denn Heinz Sichrovsky hat, so glaube ich beim Überfliegen, einen guten Kommentar geschrieben (– ich hoffe, das bloße “gut” beleidigt ihn jetzt nicht): Er, also der Kommentar, wirkt fundiert, scheint Hintergrundwissen zu vermitteln, ist ein bisschen witzig und hat sogar eine Schlusspointe. Er, also der Kommentar, handelt vom Sänger Neil Shicoff, der schlussendlich doch nicht Staatsopern-Direktor geworden ist, obwohl oder weil, meint Sichrovsky, sich Bundeskanzler Alfred Gusenbauer für ihn stark gemacht hat.

Allerdings: Dass bei der Nicht-Bestellung auch ausschlaggebend gewesen sein könnte, dass Shicoff Sohn eines Kantors von der Ostküste sei, hätte sich Sichrovsky auch sparen können, weil er da voller Ressentiments gegen Ressentiments auftritt. Weiters ist es nicht besonders originell, um nicht zu sagen langweilig, dass Sichrovsky in den hämischen Chor aller einstimmt, die Gusenbauer sogar als Umfaller hinstellen würden, wenn ihn die Unterwelt offiziell als Steher anerkannt hätte (– in Österreich bekommt jeder Bundeskanzler ein Etikett verliehen, das er nie wieder los wird, da kann es noch so nicht stimmen). Und dass der Dirigent Franz Welser-Möst jetzt von einer roten Ministerin als Co-Staatsopern-Direktor bestellt wurde, obwohl seine Mutter ÖVP-Abgeordnete gewesen und er außerdem vom schwarzen Vorgänger der roten Kulturministerin vorgeschlagen worden sei, und das alles vielleicht nur, weil Gusenbauer ein Umfaller-Kanzler ist, war und sein wird, – das kann, muss aber nicht wahr sein. Schließlich sind das bloß als Tatsachen ausgegebene Mutmaßungen, Meinungen, die sich mit einem Insider-Nimbus schmücken. Und der Insider arbeitet bei einem Blatt, dessen heiße Stories sich, jedenfalls zu meiner Zeit als Redakteur, bei einer Kurzrecherche stets als unbestätigte Gerüchte herausgestellt haben.

Aber da bleibt ja kein Argument übrig von diesem guten Kommentar, denke ich jetzt, da ich meinen letzten Absatz lese! – Schade, dabei hätte ich so gern mit meinem Spiel aufgehört und dem Kultur-Kyniker bei unserer nächsten Begegnung verraten, dass ich gar keine Celebrity bin, sondern bloß ein Journalist, von welchem allerdings dieses Lob hier sei. Aber vielleicht wäre das ohnehin böse ausgegangen.

© Augustin (2007)

Juni 28, 2007

Hallo, Kurt!

Einsortiert unter: Kommentare — werners @ 7:20 vormittags

Unternehmen müssen zu Talent-Magneten werden; eine positive Anziehungskraft auf Menschen mit Talent und Leistungswillen ausüben, für kreative Querköpfe und hochintelligente Freaks aller Art.

Ich liebe solche Ansagen. Und ich stelle mir gleich vor, wie der Supermarkt ums Eck die freundlichen und die grantigen Kassiererinnen entlässt, um sich die Querköpfe und Freaks vom kleinen, trendigen Modeladen nebenan zu angeln. Oder wie ich bei meinem Boss vorspreche …

… nein – um meiner neuen Rolle gerecht zu werden, muss ich wohl unangemeldet in sein Büro eindringen, am besten casual gekleidet, vielleicht eine angezündete Zigarillo im Mundwinkel. Auf jeden Fall begrüße ich ihn mit einem Schulterklapps, während ich ihn beim Vornamen nenne und dann breite ich die Arme aus und rufe: ICH BIN DER, AUF DEN DU GEWARTET HAST!!

Oder ist das nicht querköpfig genug? Vielleicht stelle ich (breitkrempiger Sommerhut? übergroßes, schwarz-weiß kariertes Hemd? dezente 3/4-Bermuda über Gummi-Strandschuhen?) nur trocken fest: “Was hast du mir anzubieten?” Und Kurt, in Anzug und Krawatte von der Stange, wird erleichtert ausatmen und mit rauher Stimme sagen: “Wo fangen wir an?”

Kann sein, es wird auch anders ablaufen, denn laut den Business Querdenkern (ohne Bindestrich, so was tut man heute nicht mehr) muss mir Kurt proaktiv sein Unternehmen attraktiv machen. Grundsolide is nich. Denn früher haben sich die Unternehmen ihre Mitarbeiter ausgesucht, heute suchen sich die besten Mitarbeiter ihr Unternehmen aus. Ja, genau so läuft es ab auf dem Arbeitsmarkt. Keine Spur mehr davon, dass sich auf jedes Inserat mindestens 300 Anwärter bewerben – die Geschäftsführer laufen uns nach.

Doch hoppla, jetzt sehe ich es erst: Die “Business Querdenker” schreiben (im medianet vom 22. Juni) ihr Zwei-Seiten-Feature gar nicht über oder gar für dich und mich, sie wenden sich an die High Potentials, die es nicht nötig haben, für die Stadtwerke Hinterwaldheim zu arbeiten. Eine Doppelseite für die Elite. Die zum Beispiel unbedingt zu Google will, aber nicht wegen der relaxten Arbeitsatmosphäre, der kostenfreien Kantine und der überdurchschnittlichen Gehälter. Die Besten der Besten wollen zur Suchmaschinen-Firma, weil sie dort fantastische Dinge verwirklichen können. AdWords zum Beispiel, mit welchem Werbeprogramm Google jenseitige Einnahmen erzielt. Und die Querdenker überlegen dann, wie man dieses Werbeprogramm auch auf Printmedien, TV und Radio ausdehnen könnte, während die Freaks sich Gratis-Mail und Gratis-Stadtpläne ausdenken für die Hinterwaldheimer.

Irgendwo wird es in diesem New-Economoy-Paradies auch ein paar unauffällige Leute geben, die all diese fantastischen Dinge in die Tat umsetzen dürfen, damit noch mehr Bewohner von Hinterwaldheim Google verwenden und auf ihren selbst gebastelten Homepages mittels AdSense-Inseraten auch Werbung für Google machen – und zwar in der irrigen Annahme, sie würden damit so viel Geld einnehmen, dass sie ihre anspruchslosen Routinejobs nicht mehr machen müssen.

So wie ich. Aber wie komme ich jetzt aus meiner peinlichen Lage vor dem fassungslosen Kurt?

Ich hab’s! Ich werden ihm von AdSense-Inseraten auf der Firmenhomepage abraten, weil das aber wirklich schon jeder hat. Und wenn er dann meint, diese unter Umständen brauchbare Idee hätte mehr Chancen auf Verwirklichung gehabt, wenn ich mich wie ein normaler Mensch gebärdet hätte, so hab ich meine “Business Querdenker” gelesen und werde süffisant anmerken: Langweilige Mitarbeiter bedeuten langweilige Firmen bedeuten langweilige Marken.

Und dann kann ich mir entweder einen anderen anspruchslosen Routinejob suchen oder ich habe den ersten Schritt zum High Potential getan. Und wenn ich groß bin, werd’ ich Unternehmensberater.

November 13, 2006

Die sind für Sie da

Einsortiert unter: Kommentare — werners @ 7:28 vormittags

Am 7. November hat der ORF Publikumsrat dem designierten Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz seine Wünsche präsentiert. Ich hätte auch einen: Bitte den Online-Presseservice überarbeiten.

Denn zu mehr als für tagesaktuelle Programminfos und Pressemeldungen ist diese Homepage nicht zu gebrauchen. Der Programmablauf steht (in anderem Layout) auch auf der öffentlichen ORF-Site (die Programmänderungen hoffentlich auch) und die PR-Texte zu ausgewählten Sendungen sind nur für Fernseh- und Radiotipps verwendbar. Ältere Pressetexte findet man nur, wenn man weiß, an welchem Tag sie erschienen sind (!), außer man liebt ergebnisloses Suchen. Dieses Angebot erschöpft sich schließlich in den Kontaktdaten der ORF-ÖffentlichkeitsarbeiterInnen (welche, wohl weil sie auf einem Berg sitzen, auf Anfragen in der Regel hoheitlich reagieren; aber das nur am Rande).

Sehr geehrter Herr Wrabetz, schauen Sie sich diese Site einmal an – und dann gehen Sie auf http://presse.daserste.de. Schon die Startseite sieht nicht aus, als hätte sie ein Öffentlichkeitsarbeiter selbst gebastelt (wie man es bei presse.orf.at vermuten könnte). Und sie ist userfreundlich.

Natürlich informiert auch der ARD über sein Programm. Zusätzlich aber haben Sie Überblick und Zugriff auf Pressemeldungen bis ins Jahr 1998 zurück. Im Gegensatz zum ORF verrät man Ihnen beim ARD auch die Pressetermine (was für Journalisten ja ganz brauchbar ist), Sie finden zahlreiche „Pressemappen“, werden sogar über die aktuellen Einschaltquoten informiert und können auch auf eine umfangreiche Foto-Datenbank zugreifen (beim ORF dürfen Sie anrufen oder ein Mail schicken).

Und wenn Sie mit all dem immer noch nicht zufrieden sind, kann man sich bei ARD ruhig trauen, auch anzurufen. Die sind für Sie da (sehen das nicht umgekehrt und lassen es einen spüren wie … ach, lassen wir das).

Falls wir uns also darauf einigen können, dass der Online-Presseservice verbessert gehört, sollten wir auch gleich die Selbstdarstellung des ORF auf orf.at angehen. Schauen wir zuerst auf die allgemein zugängliche ARD-Homepage. Also wenn Sie über diesen Sender etwas noch nicht wissen sollten, unter ARD intern erfahren Sie es. – Auf orf.at nicht so umfassend und etwas unzugänglich. Erstens müssen Sie einmal zum Seitenende scrollen und auf „Übersicht“ klicken, dann müssen Sie dahinter kommen, dass sich „ORF intern“ hinter dem Link Kundendienst verbirgt. Schließlich werden Sie feststellen: Unter diesem Begriff versteht man gemeinhin etwas ganz anderes.

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